Paula fährt

Als Paula 14 Jahre war, meinte eine Tante über sie: „Du wirst Dein Leben lang Hummeln im Hintern haben.“ Das war nur eine der vielen Charakterzüge, die sie – mit rechthaberischem Ton und entsprechender Miene – an Paula wahrzunehmen glaubte. In diesem einen Punkt hatte die Tante aber absolut Recht. Schon sehr früh, im  Alter von 15, zog es Paula vom Land nach Wien, in die große Stadt, deren Tag- und Nachtleben sie schon bald ausgiebig unsicher machen sollte. Bald darauf folgte dann London.

Zurück in Wien holte Paula die Matura außerhalb der traditionellen Schule nach, studierte Wirtschaft und machte schnell beruflich Karriere. Auch dafür war sie wieder viel auf Achse, vor allem in Südosteuropa, wo sie über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrungen im direkten Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sammeln konnte.

Paulas Steckenpferde sind das Reisen sowie die Fauna und Flora. Gerade in der unberührten Natur Südosteuropas konnte sie dieser Leidenschaft nachgehen, sei es bei der Beobachtung von Bären in den Wäldern des Balkans oder bei der Suche und anschließender fotografischer Dokumentation wilder Orchideen in den Bergen Albaniens.

Ihre Reisen verbinden immer Natur und Bewegung. Am liebsten  mit dem Rad, um die Natur und die Landschaft ganz direkt wahrnehmen zu können. Nicht selten, dass Ihr am Ende einer sommerlichen Tagesetappe ein Abendmahl mit selbstgesammelten Pilzen  möglich ist, die sie auf der Fahrt  gesichtet und natürlich sofort geerntet hat.

Mit Mann und Tochter teilt Paula die Hingabe zu gutem, selbst gekochten Essen, sowie die Leidenschaft für Katzen. Auch wenn es sich bei ihr daheim nur um einfache Hauskatzen aus dem Tierheim handelt, sind es vermutlich die einzigen Wesen, deren Willen sich Paula – manchmal – fügt. Kein Wunder, sie sind auch wirklich charmant, dickköpfig und eigensinnig, fast wie Paula selbst.

Lu schreibt

Ich bin die ältere Schwester , ein Familienmensch, dem Leben am Land und dessen Traditionen sehr verbunden. Abwechslung hole ich mir bei genussvollen Ausflügen, gerne in den Süden, bei Theaterbesuchen oder Führungen in Museen. Ich koche gerne und gut, meist was die Jahreszeit gerade bietet, selten nach Kochbuch, immer mit Fantasie. Die habe ich in großer Menge und wende sie in allen Lebensbereichen an.

Ich bin und war nie eine Sportliche. In der Schule hatte ich immer Schwierigkeiten im Sportunterricht. Heute frustriert mich das Tempo im Fitnessstudio, weil ich grundsätzlich noch stehe, während sich die andern längst nach vorne bewegen, oder ich springe nach links, während die anderen schon auf der rechten Seite ihre Verrenkungen machen. Joga finde ich gut, das geht langsamer und passt ideal zu mir.

Mit meinem Hunde Flotti gehe ich täglich meine Morgen- und Abendrunde. Das liebe ich sehr, auch weil ich den Wechsel der Jahreszeiten so gut beobachten kann und der Wald meine Leidenschaft geworden ist.

Mit der „Konsequenz“ stehe ich auf Kriegsfuß, auch beim Abrichten meiner Hündin, die ich nach Abnabelung meiner Kinder, als kleine „Prinzessin“ erzogen habe. So liegt sie nicht in einer Box im Kofferraum, sondern auf der weichgepolsterten Rückbank. Das hat sich eingebürgert, weil ich eine „Kurzstrecken-Meilen-Sammlerin“ mit meinem alten Auto geworden bin. Ich rase mit meinem fahrenden Wohnzimmer mitunter 40.000 km im Jahr, um Eisenteile in die Firma meines Mannes zu bringen, die Übersiedlungen meiner Kinder in diverse Studentenwohnungen zu organisieren, das Weihnachtsmenü für die ganze Familie zu meinem Vater zu transportieren und vieles mehr. Der Kofferraum ist somit immer besetzt und Flotte kann sich ungeniert ausstrecken.

Ich nicht. Denn  meine nähere Umgebung beschäftigt mich rund um die Uhr. Chaotisch, fröhlich, pflichtbewusst wie ich bin.